KURZGESCHICHTEN & DRABBLES

Bis Februar 2021 hatte ich noch nie eine Kurzgeschichte verfasst und hatte keine Ahnung, was ein Drabble ist! Für alle, die den Begriff gerade zum ersten Mal lesen: Das ist eine Kürzestgeschichte, die aus genau 100 Wörtern besteht. Seit ich weiß, dass es so etwas gibt, mache ich immer wieder beim #shortstorydienstag auf Instagram mit und habe viel Spaß dabei, Drabbles und Elfchen (11-Wörter-Text nach bestimmten Regeln), aber auch ein bisschen längere Geschichten zu vorgegebenen Wörtern zu erfinden ...

Hier auf dieser Seite befinden sich meine allerersten Kurzgeschichten ganz unten, die neuesten jeweils unter diesem Textabschnitt, damit ihr euch nicht immer durch alle Geschichten scrollen müsst, um die Neuzugänge zu finden.

Alle Geschichten, die unter dieser Rubrik zu finden sind, wurden von mir verfasst. Die Verwendung der Texte oder von Auszügen daraus, bedarf meiner ausdrücklichen Erlaubnis und ist ohne diese verboten.

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Tapetenwechsel:


"Sie sehen ja, alles ist etwas abgewohnt, aber mit ein bisschen Liebe wird es wieder zu einem Schmuckkästchen. Hier ist die Küche mit dem Essbereich. Mit diesem Raum verbinde ich viele schöne Erinnerungen. Ich sage nur: Omas Apfelkuchen mit einer großen Portion Schlagobers!"
"Ich liebe Apfelkuchen! Wäre es möglich, das Rezept zum Haus dazu zu bekommen?"
"Natürlich! Das würde meiner Oma gefallen. Es wäre nicht in ihrem Sinn, ein Haus leerstehen zu lassen, wenn stattdessen auch eine Familie darin glücklich sein könnte. Deshalb habe ich den Gedanken, es zu behalten, schnell verworfen. Mein Leben spielt sich im Norden ab. Das Haus könnte ich bestenfalls im Urlaub nutzen, aber ohne Oma ist es nicht dasselbe und zwei Häuser zu erhalten kann ich mir sowieso nicht leisten."
"Das verstehe ich gut. – Und was ist hinter dieser Türe?"
"Das ist der Raum, von dem ich Ihnen am Telefon erzählt habe. Der einzige Raum, der wirklich von Grund auf renoviert werden muss. Hier ist es passiert. Es sieht entsetzlich aus und auch der Geruch ist ziemlich übel. Also bitte nicht erschrecken, wenn ich die Türe aufmache."
Ellen schluckte. Die roten Spritzer und Schlieren an der Wand und am Boden waren ein schockierender Anblick. "So schlimm hatte ich es mir nicht vorgestellt!"
"Ja, mit einem einfachen Tapetenwechsel ist es nicht getan. Aber es waren auch wirklich viele Gläser mit Omas Kirschenkompott, die hier explodiert sind."

 
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Herbstlaune:


„Gehst du zum Ball?“
„Nein. Die letzten Wochen waren toll, aber wie immer auch ziemlich anstrengend. Ich bin ganz schön geschlaucht und werde mir einen gemütlichen Abend machen. Und du? Wirst du hingehen?“
„Natürlich! Ich freue mich doch seit Wochen darauf! Saisonbeginn ist immer etwas Besonderes!“
„Hast du schon ein Kleid?“
„Ich ziehe wieder das bunte an. Du weißt ja, wie ich die Schattierungen und das Rascheln liebe. Was hältst du davon?“
„Es ist bezaubernd, aber ist es wirklich schon so weit?“
„Ja, lieber Sommer, es ist so weit.“
„Dann eine wunderbar stürmische Zeit und viel gute Laune, lieber Herbst!“

Als ich den Text geschrieben habe, hat sich der Herbst gerade von seiner buntesten Seite gezeigt, Früchte und Blätter, Farben und Wetter wie aus dem Bilderbuch. Das war sehr inspirierend. Aber ich liebe auch die stürmischen, regnerischen und grauen Stimmungen dieser Jahreszeit.

 
 
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Märchenstunde:


Kennst du den alten Mann, der immer im Park auf der Bank neben dem Brunnen sitzt?
Ja. Was ist mit ihm?
Ist er ein Zauberer?
Ich glaube nicht. Wieso denkst du das?
Manchmal setze ich mich nach der Schule zu ihm und wir füttern gemeinsam die Eichhörnchen. Und dann reden wir ein bisschen. Er weiß immer, was ich denke oder fühle, auch wenn ich mich bemühe, es mir nicht anmerken zu lassen. Sonst kann das niemand. Nicht Mama, nicht Papa, nicht die Lehrerin, nicht meine Mitschülerinnen und Mitschüler und auch nicht du.
Ich verstehe. Du musst wissen, dass er Gefühle und Gedanken von den Augen ablesen kann.
Von den Augen? Wie geht das?
Dazu muss ich dir eine Geschichte erzählen. Soll ich?
JA!!!
Es war vor langer, langer Zeit, in einem fernen Land, als dieser alte Mann noch ein kleines Kind war. Da hatten die Menschen keine Nase und keinen Mund und keine Wangen.
Was soll das heißen, sie hatten keine Nase und keinen Mund und keine Wangen?
Das hat man damals so gesagt. Natürlich hatten sie einen Mund, aber man hat ihn nicht gesehen. Alle haben Masken getragen.
Wieso haben sie das gemacht?
Es gab eine Krankheit, die sich innerhalb kurzer Zeit über das ganze Land ausbreitete. Viele Menschen starben an der Krankheit. Um das zu verhindern, wurden viele Gesetze erlassen. Eines davon besagte, dass alle Masken über Mund und Nase tragen müssten, um sich gegenseitig vor Ansteckung zu schützen. Die Leute hatten Angst um ihre Lieben und so hielten sie sich an die Vorschriften und voneinander fern. Das führte mit den Jahren dazu, dass die Kommunikation spärlicher und anders wurde. Die Menschen mussten lernen, mit den Augen und mit ihrem ganzen Körper Gefühle auszudrücken und dies auch bei anderen zu erkennen. Wer das nicht konnte, tat sich schwer und zog sich aus der Gesellschaft zurück. Vor allem für die Älteren und Schwerhörigen verursachte das viele Probleme. Es gab viele Missverständnisse. Manche nutzten die Situation aus und begannen zu lügen, weil man ihnen Unwahrheiten nicht mehr so leicht vom Gesicht ablesen konnte. Für die Kinder war es auch schwierig, aber anders. Für sie war zwar alles recht schnell normal geworden – sie konnten sich ja nicht mehr daran erinnern, wie es vorher war -, aber angeblich taten sie sich schwerer dabei, sprechen zu lernen, weil sie ja keine Mundbewegungen mehr vorgezeigt bekamen oder im Alltag beobachten konnten. Es sollen weniger Geschichten erzählt und Witze gemacht worden sein, weil die Verständigung durch die Maske hindurch so schwierig war. Das Kennenlernen anderer Menschen wurde erschwert und so gab es viele einsame Herzen, was sich auch auf die Population auswirkte. Die meisten Einwohner des Landes starben nach Jahren der Vereinsamung. Der Rest wanderte aus, obwohl das von den anderen Ländern nicht gerne gesehen wurde. Inzwischen sind so viele Jahre vergangen, dass wahrscheinlich kaum mehr jemand von der ursprünglichen Bevölkerung am Leben ist. Nur noch der alte Mann im Park. Er hat, bis er hierherkam, nie die Lippenbewegungen von jemandem gesehen und ist ein Meister des Augenlesens geworden. Sprechen höre ich ihn dafür nur ganz selten.
Was ist mit dem Land passiert?
Aus Angst vor einem neuerlichen Ausbruch der Krankheit, hat sich jahrzehntelang niemand mehr in das Gebiet gewagt, außer wenigen AbenteurerInnen und WissenschafterInnen. Sie berichten davon, dass sich viele Tiere dort angesiedelt haben, die es sonst nirgends mehr gibt, aber auch, dass Städte und Dörfer verfallen sind und man noch heute in den Wäldern und auf dem Meeresgrund Überreste von Gesichtsmasken, Schutzanzügen, Virentests, Desinfektionsmittelflaschen und Impfungen findet.
Wenn ich groß bin, dann fahre ich auch dorthin und dann schaue ich, ob es nicht doch noch irgendwo Menschen gibt!
Ja, das machst du, mein Liebes!

Was mich zu diesem Text inspiriert hat, brauche ich wahrscheinlich nicht zu sagen. Nur so viel: Ich bin traurig und wütend. Ich wünsche mir glückliche Kinder, eine intakte Umwelt, Toleranz und ganz viel #miteinanderstattgegeneinander ! Ob sich diese Wünsche jemals erfüllen werden? - Vielleicht wenn jede und jeder von uns ein kleines Bisschen dazu beisteuert?!?

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Ehrenamt:


Technik: check.
Begrüßung, Totengedenken und Bericht der Obfrau: check.
Vor dem zweiten Punkt hatte sie sich am meisten gefürchtet und - wie erwartet - beim Anblick der Fotos der Verstorbenen wieder ganz schön schlucken müssen.
Während der Berichte ihrer KollegInnen bringt sie endlich einen Schluck ihres inzwischen kalten Tees hinunter. Weiter geht‘s.
Heiteres Gedicht vorlesen: check (sie haben gelacht!)
Jetzt noch ihr Herzensappell an die Älteren: „Bitte …“ – „Bitte …“
Halb blind und wortlos drückt sie ihrem Stellvertreter das Skript in die Hand und hört zu, wie er laut und deutlich die letzten beiden Sätze vorliest:
„Bitte bleibt dem Verein noch lange treu, gebt Eure Erfahrungen und Euer Wissen weiter, wir brauchen und schätzen Euch!!! Ich sehe uns als große Familie, die Generationen verbindet!“
Kaum ist er fertig, versiegen auch ihre Tränen. Sie putzt sich die Nase und schüttelt den Kopf über sich selbst – die Obfrau mit Springbrunnen-Qualitäten.

Ja, Ehrenamt ist anstrengend und ja, oft ist es undankbar, aber: man gibt nicht nur viel, sondern man bekommt auch ganz viel zurück!

Könnte sein, dass sich einige LeserInnen noch an diese denkwürdige Jahreshauptversammlung vor fast 10 Jahren erinnern. Inzwischen habe ich viele Reden gehalten und auch viele Taschentücher dabei verbraucht, aber so feucht ist es nie mehr geworden und zu Ende habe ich sie selbst gebracht. ;-)

 
 
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zelten:


Egon, jetzt stell doch endlich unser Zelt auf! Nein, nicht hier, dort drüben!
Egon, das ist doch total schief, kannst du denn gar nichts ordentlich machen?
Egon, warum steht unser Schirm noch nicht? Und stell ihn doch einmal so auf, dass er Schatten spendet und nicht gleich wieder umfällt!
Ohne auf Hildes Tiraden zu antworten, packt Egon den Schirm mit beiden Händen und rammt ihn hinein. Der fällt nicht mehr um – und ruhig ist es auch. Bald muss er sich etwas einfallen lassen - bevor Hilde zu stinken beginnt. Aber zuerst ein wohlverdientes Bier vor SEINEM Zelt, unter SEINEM Sonnenschirm.

Normalerweise bin ich gar nicht mordlustig - weder in meinen Geschichten noch im wahren Leben! Aber hier hat es doch irgendwie Spaß gemacht! ;-)

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tanzen:


Herbstlaub

unbeschwert bunt

tanzt im Wind

es riecht so gut

Kastanienzeit

Zum Thema tanzen ist mir als erstes das bunte Herbstlaub eingefallen, das in der noch warmen Sonne von den Bäumen nach unten schwebt und auf einer leichten Brise dahintanzt. Schwer zu erhaschen, wunderschön anzuschauen, ein Anblick zum Seele baumeln lassen, untermalt von Kinderlachen. Zu viele Worte sind mir zu schwer vorgekommen, deshalb ist es erstmalig ein Elfchen geworden ...

 
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Reisevorbereitungen:


Noch einmal sah er sich im Zimmer um. Er hatte nichts vergessen. Seine paar Habseligkeiten hatten in der kleinen Tasche Platz gefunden, die der Uniformierte in der Hand hielt. „Können wir gehen?“ fragte dieser. Der Weißhaarige nickte. Langsam gingen die beiden Männer den Gang hinunter. Von allen Seiten riefen ihm die Angestellten Abschiedswünsche zu. Vor der Türe wartete bereits ein rotgekleideter Chauffeur, um ihm beim Einsteigen behilflich zu sein. Dann ging es los.
Es war eigenartig, beim Fahren zu liegen, aber nicht unangenehm. Durch das Fenster des Rettungswagens warf er einen Blick zurück. Zurück auf das Krankenhaus, in dem er die letzten Wochen verbracht hatte. Fast hätte er es nicht mehr verlassen, aber er hatte es geschafft.
Nun konnte die Reise beginnen. Die Reise in sein neues Leben – zu Hause.

Die Geschichte, die mich zu meiner Kurzgeschichte inspiriert hat, ist tatsächlich wahr geworden und ich bin von Herzen dankbar dafür!

 
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Am See:


Die Wasserfläche ist fast schwarz, der Steg ein kaum wahrnehmbares Band, das ins Dunkel führt. Unsere Füße ertasten sich vorsichtig ihren Weg. Wir halten uns an den Händen. Am Ziel angekommen, hüllen wir uns in die mitgebrachten Decken. Es ist kühl, so mitten am See und knapp über der Wasseroberfläche. Wir schweigen andächtig vor dem majestätischen Anblick, den der Himmel in seinem Sternenkleid uns heute wieder bietet. Ich fühle mich ganz klein und doch so behütet, als würde das Universum über uns wachen. Leise stimmst du „unser“ Lied an: „Is schon still uman See, hör die Ruder schlagn, und an Vogl im Rohr drin, bei der Finstan klagn.“ Ich singe die zweite Stimme dazu. Es klingt etwas zittrig, aber das macht nichts.
Da, eine Sternschnuppe! Ich brauche nicht darüber nachzudenken, was ich mir wünsche. Ich wünsche mir immer dasselbe. Bei jedem Stern, der in den letzten siebzig Jahren vom Himmel gefallen ist und bei jeder Wimper, die ich beim Blick in den Spiegel auf meiner Wange entdeckt habe. Ich spreche meine Gedanken nicht laut aus, denn ich weiß, es sind auch deine: Dass uns noch ein paar letzte gemeinsame Sommer an diesem See vergönnt sind.

Aufgewachsen zwischen den beinahe unzähligen traumhaften Seen des Salzkammerguts und als begeisterte Kärnten-Reisende, habe ich schon viele Erlebnisse an vielen Seen gesammelt. Aber: Habt ihr schon einmal eine sternklare Augustnacht auf dem Steg eines einsam gelegenen Sees verbracht? Mit Sternschnuppen und in der besten Gesellschaft, die ihr euch nur wünschen könnt? Falls nicht, dann wünsche ich euch dieses Erlebnis von ganzem Herzen und dass euch die Erinnerung daran bis ins hohe Alter begleitet!

 
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Geburtstage:


11. August. Er schmunzelte. An diesem Tag musste er immer an Tina denken. Seine – schon lange – Ex-Freundin, mit der er an einem 11. August vor vielen Jahren in Kalifornien am Strand gewesen war …
Den ganzen Tag lang war sie schon leicht abwesend gewesen, aber seit ein paar Minuten wirkte sie regelrecht bedrückt. Und das in ihrem ersten wirklich großen gemeinsamen Urlaub nach dreijähriger Beziehung.
Sein behutsames „Was ist los, Tina?“, wehrte sie mit einem missmutigen „Ach nichts.“ ab.
„Da ist doch etwas.“
„Ist nicht so wichtig.“
„Jetzt sag schon. Bitte!“
Mit großen und sehr ernsten Augen sah sie ihn an und meinte dann mit leicht bebender Stimme: „Weißt du, was heute für ein Tag ist?“
Er überlegte fieberhaft. August, da war er sich ganz sicher. Der neunte? Oder zehnte? „Äh, nein?“ gab er dann zögerlich zu. Oje. Welchen Termin hatte er nun wieder vergessen?!?
Leidensbittermiene: „Heute ist der 11.“
„Oh nein!“ Entsetzen machte sich in ihm breit. „Ich habe deinen Geburtstag verschwitzt! Es tut mir so leid! Bitte verzeih mir! Ich werde es wieder gut machen! Ich verspreche es!“
Ihr Lachanfall war so heftig, dass sie rücklings in den Sand fiel. „Du bist wirklich unglaublich!“, schnaufte sie. „Dich kann man so leicht hereinlegen! Ich habe doch am 11. APRIL Geburtstag!“ Sie hielt sich den Bauch vor Lachen. Nach einer kurzen Schrecksekunde ließ er sich neben sie fallen. Beiden kullerten die Lachtränen in die Ohren und der Bauch tat ihnen weh.
Ach ja, mit Tina hatte er eine lustige Zeit gehabt. Zwei Jahre später hatten sie sich in Freundschaft getrennt, aber ihren Geburtstag hatte er nie mehr vergessen.

Die besten Geschichten schreibt das Leben ... Da konnte ich nicht widerstehen, als ich das Thema entdeckt habe. Danke an jemanden aus meiner Großfamilie für die Inspiration! :-)

 
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Tiergeschichten:


Ich setze 50 Cent auf Robert und du?

Ich setze 50 Cent auf Elvira. - Uuund los!

Schneller, Elvira! Gleich hast du es geschafft!

Robert, Robert! Bemüh dich ein bisschen. Ich weiß, du kannst es!

Elvira, pass auf! Links hinter dir!

​Robert! Ja! Noch 10 cm!

Elvira! Noch 8 cm! Schlaf jetzt nicht ein!

​Gleich hast du sie, Robert!

Elvira! Lass dich nicht von Robert überholen!

​Verflixt! Wo kommen jetzt die ganzen Ameisen her? Und welche davon sind Elvira und Robert?

Ich hab dir doch gleich gesagt, dass das nicht funktioniert! Nächstes Mal nehmen wir wieder größere Tiere für unser Wettrennen.

Tiergeschichten liegen mir nicht so sehr, weshalb es auch einige Zeit gedauert hat, bis mir zum vorgegebenen Stichwort etwas eingefallen ist. Interessanterweise hatten alle Ideen mit schleimigen, kriechenden oder krabbelnden Tieren zu tun. ;-)

 
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Gartenoase:


"Puh, ist mir heiß!"

​"Hier im Schatten ist es sooo angenehm!"

"Au! Jetzt ist diese verflixte Blase aufgerissen."

​"Der neue Liegestuhl ist perfekt zum Lesen, Schreiben und Träumen. Dazu das gemütliche Summen der Insekten, das fröhliche Vogelgezwitscher und dann erst noch die Aussicht …"

"Scheiß Mücken!"

"Nach der anstrengenden Woche tut das Nichtstun so richtig gut. Der Garten wird heuer übrigens wieder besonders schön – und du bist so sexy, wenn du die Beete umgräbst. Möchtest du auch etwas trinken?"

"Ja, gerne. Danke, Liebling! Dein Anblick und das Workout nach der stressigen Woche sind jedes Mal wieder eine Wohltat für mich!"

Die Idee zu dieser Geschichte kam mir im Liegestuhl im Garten meiner lieben Schwiegermutter nach einem herrlichen Muttertagsausflug in den Wildpark Grünau im Almtal. - Da sieht man wieder einmal, wie wichtig es ist, seine Seele baumeln zu lassen! ;-)

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Mutprobe:


Der Bus fuhr langsam um die letzte Kurve. Jetzt war das kleine Gebäude mit der Plattform schon zu sehen, von der die Seilrutsche steil ins Tal hinunterführte. Die Aussicht war traumhaft und hätte ihr bei einer anderen Gelegenheit sicher gut gefallen, aber jetzt gerade hatte sie keine Augen dafür. Ihr war schlecht. Ob von den vielen Serpentinen oder vor Aufregung konnte sie nicht be-
urteilen und es machte ja eigentlich auch keinen Unterschied. Nervös, aber konzentriert befolgte sie die Anleitungen zum Anlegen des Sitzgurtes. Dann ging es los Richtung Start. Es war ihr ganz recht, dass sie nicht gleich als erste an der Reihe war. So konnte sie die anderen Fluggäste noch beobachten. Die Stimmung war gut. Freudige bis ausgelassene Spannung hatte alle erfasst und es wurden haufenweise Fotos geschossen.
Oh. Für die ersten drei AbenteurerInnen ging es los. Mit einem Juchzer glitten sie in die Tiefe und waren innerhalb von Sekunden nur noch als Punkte zu sehen. Noch zwei Teams vor ihr, noch eines, dann war sie an der Reihe. Mit zitternden Fingern klinkte sie ihren Karabiner in der Seilrolle ein. Sie schaffte das! Sie war sich ganz sicher! Da kam auch schon der nette Angestellte und kontrollierte ihr Gurtzeug. „Passt alles bei dir? Kann es losgehen?“
Da passierte es. Die Worte, die sie heute absolut nicht hatte sagen wollen, brachen sich den Weg ins Freie: „Nein! Es passt nicht! Ich kann das nicht! Ich will wieder raus!!!“ Wie ein Sturzbach schoss die Panik durch sie und überflutete den jungen Mann, der kurz schockiert wirkte, sich aber erstaunlich rasch wieder fing. „Natürlich! Überhaupt kein Problem. Ich mache dich los, dann kannst du sofort wieder herunter.“ Endlich stand sie wieder am anderen Ende der Plattform. Ihre Schultern bebten und sie schluchzte herzzerreißend. Immer wieder kam jemand von den Angestellten zu ihr und versuchte sie zu trösten. Doch es dauerte. Es dauerte viele Minuten, bis ihre Tränen versiegten und ihre Brust nicht mehr bei jedem Atemzug schmerzte. Es dauerte viele Stunden, bis sich ihr Nacken und ihre Schultern wieder ein bisschen entspannten und ihre Kopfschmerzen nachließen. Es dauerte einige Tage, bis sie sich endlich zugestehen konnte, dass sie mit ihrer Höhenangst einfach nicht für eine Fahrt mit der riesigen Seilrutsche geschaffen war. Und es dauerte viele Wochen, bis sie ihre Scham vor sich selbst überwand und verstand, dass auch zum Aussprechen von Ängsten eine Menge Mut erforderlich ist.

"Mutprobe" - ein herausforderndes Thema! Ganz viele Dinge im Leben sind kleinere und größere Mutproben, denen wir uns stellen oder auch nicht. Nicht zuletzt auch das Veröffentlichen von Texten, die wir so der Kritik der Öffentlichkeit aussetzen.

 
 
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Shophopping:


„Wo ist denn die Buchhandlung? Die war doch ganz sicher hier! Ob sie schließen musste?“
„Sieh mal! Dort drüben!“
„Seltsam… aber egal! Ich brauche dringend Lesestoff!“
„Kann ich Ihnen helfen?“
„Sehr gerne, aber zuerst hätte ich eine – etwas eigenartige - Frage.“
„Ja, bitte?“
„Ist dieses Geschäft kürzlich übersiedelt?“
„Übersiedelt ist nicht ganz korrekt … Seit durch die Corona-Krise immer mehr Geschäftslokale frei werden, machen sich die übriggebliebenen Läden einen Spaß daraus, in der Nacht die Plätze zu tauschen. Sie können sich nicht vorstellen, wie nervig dieses „Shop-Hopping“ ist! In der Früh muss ich jetzt immer als Erstes meinen Arbeitsplatz suchen!“

Einkaufen. Damit kann man mich jagen! Deshalb hat es etwas gedauert, bis ich mich für das Thema "Shophopping" erwärmen konnte. Aber es gibt natürlich doch eine Sorte von Geschäften, in die sogar ich gerne gehe - Buchhandlungen!

Und an dieser Stelle gleich auch noch ein DANKE an alle, die REGIONAL einkaufen!

 
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Waldluft:


Die Telefone läuteten alle gleichzeitig. „Was? Nein! Wahrscheinlich übermorgen.“ Während der erste Telefonhörer auf die Gabel krachte, bellte er schon in den nächsten hinein: „Keine Ausreden mehr! Wenn du morgen nicht lieferst, kannst du den Deal vergessen! Ciao!“ So, das hatte gesessen. Der dritte Anrufer hatte von selbst aufgegeben. Während er sich ächzend in seinem Chefsessel zurücklehnte, schenkte er der Aussicht aus seinem Penthouse-Büro keine Beachtung. Die Skyline ließ ihn schon lange kalt. „Smith!“ „Ja, Sir?“ „Wo bleibt die neue Alpen-Lieferung? Ich habe nur noch drei Dosen!“ „Ich habe schon nachgefragt, Sir. Sie ist am Zoll hängen geblieben.“ „Tun Sie was für Ihr Geld und schaffen Sie das Zeug her!“ „Ja, Sir. Wird gemacht, Sir.“ Mit zitternden Fingern schnappte er sich eine der Dosen von seinem Schreibtisch, öffnete sie und leerte den Inhalt in gierigen Zügen. Dann warf er sie zu den anderen in den überquellenden Mistkübel. Wenn die Lieferung nicht bald kam, hatte er ein Problem. Außer er fand eine andere Lösung. Aber welche?
„Papa?“ Oh, verdammt. Elvira hatte er beinahe vergessen, so still hatte sie unter seinem Besprechungstisch gesessen und gezeichnet. Da kuschelte sich seine Kleine schon an ihn. „Ja, meine Schmusekatze?“ „Kann ich bei unserem Ferienhaus ein Baumhaus haben - bitte?“ „Wozu willst du denn ein Baumhaus?“ „Zum Spielen und Lesen und Übernachten und Sterne beobachten und damit ich den Wald riechen kann.“ „Den Wald riechen?“ „Ja, du weißt schon, so wie du bei den Waldluft-Dosen, die du dir immer aus Europa kommen lässt. Nur in echt!“

Die Dosen: leider keine Erfindung von mir, sondern traurige Realität.

 
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Dachboden:


"Peter, so kann es nicht weitergehen!"
"Was ist denn jetzt schon wieder los?"
"Weißt du, was deine Tochter macht?"
"Was denn?"
"Sie spielt verstecken."
"Ach ja? Mit wem spielt sie denn?"
"Das habe ich sie auch gefragt und ihre Antwort war: mit Philippa und Esmeralda."
"Wer sind Philippa und Esmeralda?"
"Das wollte ich auch wissen und wurde belehrt, dass das ihre Freundinnen sind, die ich nicht sehen könne, weil sie unsichtbar sind."
"Hat sie nicht eine tolle Phantasie?!
Du mit deinen emanzipatorischen Ansichten! Thekla soll keine Phantasie haben, sondern lernen, Netze zu weben, wie es sich für eine Spinne gehört!"
 

Elterngespräche ähneln sich wahrscheinlich überall ...

 
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Ostereiersuche:


"Hallo, hierher! Hier sind wir! Ach, diese blinde Nuss! Schon wieder an uns vorbeigelatscht! Dabei bin ich in diesem knalligen Violett doch wirklich gut zu sehen."
"Ruhig Blut! Ich habe gehört, die geben nicht auf, bis sie alles gefunden haben."
"Warum sie uns dann überhaupt verstecken, habe ich noch immer nicht kapiert."
"Weil es den Kleinen so Spaß macht. Und den Großen anscheinend auch – so wie es sich anhört. Ah, da kommt wieder jemand."
"Ja, juhuu! Geschafft! Sie haben uns! Jetzt wird sich zeigen, wer die härtere Birne hat!"
"Halt endlich still, sonst kann ich nicht zielen!"
"Jammerlappen!"
"Knacks! – Gewonnen!"
 

Ich hoffe immer, dass die Eier genauso viel Spaß dabei haben, wie wir Menschen! :-)

 
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Frühlingsgefühle:


„Guten Morgen, Lieblinge!“
„Geh weg!“ „Schalte das Licht aus.“ „Wir schlafen noch!“
„Aber Lieblinge, das ist die Sonne.“
„Sie ist zu hell. Sag ihr, sie soll weggehen.“
„Ihr wisst, das geht nicht. Und jetzt steht auf. Wir werden erwartet! Denkt daran, wie sehr sich die Leute freuen, wenn sie uns endlich wiedersehen!“
„Glaubst du wirklich, so zerknautscht und zerknittert gehen wir raus?!“
„Wenn ihr euch weiter so vergräbt, werdet ihr euch nie entfalten. Dann ist Sommer und die Menschen werden sich fragen, wo die Krokusse heuer geblieben sind.“


(Dialog zwischen einer Krokuss-Mutter und ihren pubertierenden Sprösslingen, belauscht im März 2021.)

Falls hier irgendjemand das Gefühl haben sollte, dass diese Geschichte Realitätsbezug haben könnte - dann könnt ihr nur Eltern sein! Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind natürlich rein zufällig und unbeabsichtigt! ;-)

 
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Arztbesuch:

 

In fünfzig Metern rechts abbiegen. ... In dreißig Metern links abbiegen. ... Sie haben Ihr Ziel erreicht.
Verflixt! Da war ich doch schon mal! Wo ist bloß diese Lindenallee?
Entschuldigen Sie bitte, ich suche das Testzentrum Lindenallee. Ich finde die Straße nicht. Mein Navi behauptet, ich sei am Ziel, aber ich sehe nirgends einen Baum, geschweige denn eine Allee.
Wieso Baum? Ach Sie meinen wegen des Straßennamens? Die letzte Linde wurde vor drei Monaten gefällt. Wie Sie sehen, wurde der Platz benötigt. Gleich hinter den großen Müllcontainern finden Sie die neue Teststraße.

In diese Geschichte haben sich zum Arztbesuch noch zwei Themen eingeschlichen, die mich immer wieder sehr beschäftigen: Die wahnsinnige Müllproduktion (nicht nur in Corona-Zeiten) und das Beseitigen von alten Baumbeständen und versiegeln von Böden, um Platz für weitere - nicht immer (in dieser Art) nötige Bauprojekte zu schaffen.

 
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Behördengänge:

 

Wecken wollte er sie nicht, zu glücklich wirkte sie. Wie schon die Nächte zuvor wälzte sie sich herum und stöhnte lustvoll. Würde sie wieder tränenüberströmt aufwachen? Er hatte sich fest vorgenommen: heute würde er herausfinden, was oder wen sie in ihren Träumen sah. Heute würde er nicht vor der Wahrheit zurückschrecken. Sie räkelte sich und streckte sich genüsslich. Sie machte die Augen auf und verzog enttäuscht das Gesicht. Eine Träne löste sich. Als sie seinen Blick bemerkte, meinte sie sehnsuchtsvoll: „Ich möchte so gerne auf eine Behörde gehen und mich mit ganz vielen Leuten in einer langen Schlange anstellen!“

Viele dieser Geschichten sind in den ersten Monaten mit Covid 19 entstanden. Bei manchen merkt man das vielleicht ein bisschen. ;-)

 
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Frühjahrsputz:


Feinputz, Grobputz, Innenputz, Außenputz, Dämmputz, Kalkputz, Zementputz, Grundputz, Feiertagsputz, Sonntagsputz, Weihnachtsputz, Osterputz, Frühjahrsputz, die Putz vom Lutz. Egal was für eine oder ein Putz, ich kenne sie alle – zumindest vom Sehen oder Hörensagen. Und ich mag alle. Habe ich doch immer das Gefühl, dass sie zur Familie gehören. Schon in der Volksschule habe ich Tag für Tag vom Schulwart gehört: He, Putz! Putz dir die Schuhe! Und nicht nur ich. Auch gefühlt die Hälfte aller Kinder, die mit mir in die Schule gingen. Das war verbindend. Naja, jedenfalls wird es dringend Zeit, das Haus für den Frühling bereit zu machen.

Nein, ich habe kein Trauma! Das war einfach das erste, was mir durch den Kopf geschossen ist, als ich das Thema "Frühjahrsputz" gelesen habe. :-)

 
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Post & Paket:

 

Ich glaube, ich habe mir etwas angeknackst. Interessiert es denn niemanden, dass da "Vorsicht! Zerbrechlich!" steht? He, Nachbarin! Bist du auch so herumgeschubst worden? Tut dir auch alles weh?
Ja, ich habe auch schon einige Schrammen abbekommen und schaue sicher nicht mehr ganz taufrisch aus. Aber es kommt doch gar nicht so sehr auf die Verpackung an. Wichtig ist doch, was in dir steckt. Und das ist bei mir wirklich gut gepolstert. Da kann nicht so viel passieren. Und weißt du, die Paketzusteller haben wirklich andere Sorgen als unser Äußeres: miese Arbeitszeiten, miese Löhne, anstrengende Touren und schwere Lasten.

Auch ernstere Themen müssen sein!

 
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Bewerbung:

 

Verstohlen sah Walter sich unter seinen vielen Mitbewerbern um. Dann seufzte er erleichtert auf. Die hatten überhaupt keine Chance gegen ihn! Das waren doch lauter kleine Mädchen und er würde sie alle platt machen! Er setzte sich aufrechter hin. Er wusste, dass das seine muskulöse Brust noch besser zur Geltung brachte. Ja, ja, starrt mich nur an! Bald werdet Ihr heulend zu Euren Mamis laufen.

Da ertönte die lang ersehnte Stimme aus dem Lautsprecher: „Alle auf die Bühne kommen! Das Vortanzen für Tschaikowskys Schneeflocken-Ballett beginnt in 3 Minuten.“ Umwuselt von mindestens vierzig Ballerinas im Westentaschenformat drängte sich Walter zum Bühneneingang.

Mein allererster Drabble ... Erst am Vortag hatte ich den Begriff Drabble zum ersten Mal gelesen und seine Bedeutung nachgeschlagen. Am Abend beim Einschlafen hatte ich dann eine Idee zum vorgegebenen Stichwort "Bewerbung" und da sie mich auch beim Aufwachen nicht verlassen hatte, habe ich sie aufgeschrieben und meine erste Kurzgeschichte in die Welt des #shortstorydienstag entlassen.